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Die ersten Ideen zur Selbständigkeit kamen im Urlaub. Allerdings nicht aus einer lustigen Bierlaune heraus, sondern in einer Zeit, die bitter nötig war, weil ich einige Wochen zuvor beinahe in einen Burnout geschlittert wäre. Der Urlaub diente auch dazu, einfach mal von allem etwas Abstand zu gewinnen und ein paar grundlegende Gedanken an den Start zu bekommen.

Geblitzdingst
Vorher habe ich diverse Monate lang bereits David Hobby’s „Strobist“-Webseite intensiv gelesen, über das „entfesselte Blitzen“. Aufsteckblitze werden dabei nicht auf die Kamera gesteckt, sonder per Fernauslösung gezündet. eBay und Flohmarkt sei dank, hatte ich auch schon (neben diversen Billig-Oldschool-Objektiven) einige alte Blitzgeräte gekauft, die über die notwendige technische Ausstattung verfügten – für schmale 20 € das Stück, zzgl. noch mal 30 Taler für Billig-Funkauslöser aus China. Mit dem Equipment wollte ich eigentlich nur etwas herumspielen im Urlaub, aber eines morgens überkam mich dann der Gedanke… Was fehlt mir eigentlich noch, um eine einfache Erstausrüstung für professionelles Fotografieren zusammenzubekommen? Ergebnis: Nicht mehr viel und das ist preiswert zu haben.

Preis-wert
Meine etwas betagte DSLR-Kamera ist zwar nicht mehr der letzte Schrei, dafür war (und ist) sie extrem robust und nicht so ein neues Leichtplastik-Spielzeug, wie man es heute auf dem Grabbeltisch bekommt. Blitzstative tragen bei Aufsteckblitzen nur 100 – 200 Gramm und brauchen deswegen auch nicht so robust zu sein, wie bei einer Studioblitzanlage. Ganz zu schweigen von den Kosten für eine (transportable) Studioblitzanlage… Auch in Sachen Lichtformer kommt der Strobist mit beachtlich wenig aus (ich verweise an dieser Stelle mal wieder zu David Hobby, diesmal seine „On Assignment“-Sektion).

Dann fing ich an, in einem einfachen Textdokument mal die ersten Kostenposten zusammenzuschreiben und der losen Idee eine Form zu geben. Als On-Location Businessfotograf brauche ich kein teures Atelier zu mieten. Ein kleiner Raum als Büro reicht aus (und wie es der Zufall will, ist bei uns im Hinterhof eine kleine Einheit als 1-Zimmer-Appartment / Büroraum, wenn auch derzeit vermietet, aber die Mieter wechseln hier oft). Es geht also „nur noch“ darum, Kosten wie Steuern, Versicherungen und die eigene soziale Absicherung zu ermitteln. Parallel dazu versuchte ich herauszufinden, was denn so Fotografen für Kurse aufrufen für diese Art Job. Und das ist in der Tat ein Knackpunkt.

Wieviel denn nun?
Tja, und da gibt es nun sehr unterschiedliche Aussagen. Es gibt Fotografen, wie jaulen, weil ein Tagessatz von 350 € heutzutage kaum noch durchzusetzen sei, andere rufen 2.000 € auf und sind anscheinend gut im Geschäft… Ja was denn nu?

Ich recherchierte weiter und fand wieder einmal das Phänomen bestätigt, dass vor allem diejenigen in Foren schreiben und meckern auch diejenigen sind, die dafür den ganzen Tag Zeit haben, sprich keine Aufträge. Die, die gut verdienen befassen sich vorrangig mit ihrer Arbeit. Aber es packte mich auch das kalte Grausen, wenn ich auf Webseiten von Fotografen schaute, die den Markt als katastrophal beschrieben. Schlechte Fotos auf schlimmen Webseiten. Also – schlechte Fotos nicht im handwerklichen Sinne, sondern im ästhetischen. Und auch wenn Geschmack im Auge des Betrachters liegen mag, so ist es doch bedenklich, wenn sich ein Fotograf seit den 1980er Jahren stilistisch nicht mehr weiterentwickelt hat. Das tröstete mich schon mal – zeigte es mir doch, dass „der Markt“ kein gänzlich unberechenbares Biest war, sondern eben doch gewissen darwin’schen Gesetzmäßigkeiten folgt. Dem Überleben desjenigen, der sich gut an sich ändernde Bedingungen anpassen kann… Jetzt muss mir selbst das allerdings auch gelingen, aber ich halte mich, trotz Midlife-Crisis-Alter immer noch für kindisch genug, dass ich da Potential sehe… Hoffen wir’s.

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