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Ich lese ja auch fleissig andere Blogs und Online-Magazine, sowie die darin enthaltenen Diskussionen und Kommentare. Und da könnte einem ja manchmal Angst und Bange werden, wenn man, wie ich, an der Schwelle zur Selbständigkeit steht. Da wird getönt „Fotografie ist tot“, „die Preise sind am Boden“ und vieles Negative mehr. – Hab ich etwa doch einen falschen Weg eingeschlagen?

Aber warum auch immer, solche Äußerungen lösen in mir genau das Gegenteil aus. Manche davon sind so polemisch, die KÖNNEN nicht stimmen. Die sind ZU einseitig. Der Mensch neigt ja zum Pippi-Langstrumpf-Prinzip. „Ich mache mir die Welt, widde widde wie sie mir gefällt.“ Will sagen, man hört, sieht und glaubt nur, was man auch hören, sehen und glauben WILL. Ein Beispiel:

Auf die Frage auf Fotografr.de, ob Fotografen sich zu leicht unter wert verkaufen, wurde von einem „alten Hasen“ kommentiert, dass es sich ja gar nicht mehr lohne und bei Anfragen, die er scherzhaft mit einem Preis von 10 € bepreist, Beschwerden über die hohen Kosten kämen. (Link zum Kommentar hier).

Meist scheint niemand so recht den psychologischen Faktor einzubeziehen. Es wird immer nur das „was“ diskutiert, selten das „wie“. Die Form einer Anfrage und die Form eines Angebotes, die Qualität einer Werbemaßahme, der menschliche Faktor am Telefon, in der Besprechung und beim Shooting ist doch ganz entscheidend. Und wenn ich von zwei Anbietern identischer Qualität einen persönlich blöd finde, würde ich das auch nie als Ablehnungsgrund angeben…

Es wird immer noch geglaubt, es gebe einen Standardsatz x für eine Standardleistung y. Dabei sind wir doch in allen Bereichen des Lebens Auswahl gewohnt. Es gibt Aldi UND Feinkostläden, McDonald’s UND Sternerestaurants, Dacia UND Mercedes. Warum also nicht auch günstige und hochpreisige Fotografen? Die unterscheiden sich dann in betriebenem Aufwand und Qualität der Ergebnisse. Ein gehobenes Restaurant wird durch den Schnellimbiss nebenan auch nicht pleite gehen. Es könnte aber entweder ein günstiges Mittagsgericht anbieten, oder bewusst sagen, wir heben und durch Qualität und Service ab.

Warum wird das Kind so oft gleich mit dem Bade ausgeschüttet? Oder beschweren sich da vor allem die älteren Semester, die sich partout nicht an eine neue Zeit anpassen wollen? Klar – durch die bessere, einfacher bedienbare Technik fallen Privilegien weg („nur ein Fotografenmeister mit Studioblitzanlage darf das machen“). Das nennt man dann Fortschritt. Schritt halten ist dann gefragt. Anpassung. Und der Preis regelt sich durch Angebot und Nachfrage. Das ganze ist kein statisches System. Das Leben ist nicht statisch.

Der Kommentator schließt mit der (etwas kurz gesprungenen Erkenntnis), das man Beziehungen habe müsse, um mit Fotografie Geld zu verdienen. So sieht’s aus, genau! Beziehungen haben heisst netzwerken, Kontakte knüpfen und nutzen – das ist das Kernelement von Unternehmertum. Ein selbständiger Fotograf ist in erster Linie Unternehmer…. War nie anders, wird nie anders sein (oh – etwa doch eine Konstante??? ;-)

Mal schauen, ob ich in einem oder zwei Jahren auch noch so klug daherrede, denn auch ich glaube ja nur, was mir in den Kram passt. Aber das wird man dann ja vielleicht hier lesen können…

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