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Am vergangenen Wochenende habe ich mich mit Michael „Omori“ Kirchner getroffen, dem Betreiber von www.fotografr.de, eine Webseite die ich hier schon oft zitiert habe. Es war ein sehr nettes und informatives Treffen, ist Omori mir doch auf dem Weg in die Berufsfotografie einiges Voraus. Im Gespräch kam dann eine Frage auf, die mir zwar sonnenklar schien – aber Omori nicht. So ist das eben, wenn man in seinem eigenen Sud kocht – man verliert ab und zu die Sichtweise der anderen aus dem Blickfeld. Die Frage war: Wofür eine Finanzierung von der Bank? Er will ja kein Studio aufmachen und Equipment hat er schon…

Hintergründe
Richtige Frage eigentlich. Hier also nun ein paar Hintergrundinfos: Da meine Selbständigkeit kein jahrelang geplantes Unterfangen ist und ich zu der Gattung Mensch zähle, die Ihr Geld in schönen Dingen angelegt und die Spaß und Freude als Zinsen akzeptieren, ist es nicht so, dass mein Bankkonto über entsprechende fünfstellige Summen verfügt, die meinen Lebensunterhalt abfedern können, bis das Business zuverlässig läuft. Und DASS ein Business Zeit braucht um anzulaufen, davon können wahrscheinlich einige da draussen ein Liedchen singen.

Bei Durchsicht der verschiedenen Quellen lese ich auch immer wieder, dass ein Großteil der Neugründungen zugrunde gehen, weil keine Reserven da sind. Nichts, was Puffern kann, wenn’s mal um die Wurst geht, wenn Ausgaben anstehen – und das Finanzamt mit der Steuervorauszahlung kann da wohl sehr empfindlich sein. Und vermutlich geht immer dann ein Teil des Equipments kaputt, wenn man’s grad gar nicht brauchen kann und überhaupt. Urlaub kostet nicht nur die Reisekosten, sondern auch den Einnahmenausfall, und der Kunde mit dem großen Auftrag zahlt auf einmal auch nicht – die Liste der Malheure ist lang.

Da ich aber nun auch keine 25 mehr bin, und ich einen gewisse finanzielle Sicherheit schätzen gelernt habe, ist das Mittel der Gründungsfinanzierung für mich das Mittel der Wahl. Und auch gar nicht so unüblich.

Was für Kosten sind zu tragen?
Da ja, wie schon angesprochen, mein Equipment zu großen Teilen schon vorhanden ist, ist da erst mal nicht so viel zu investieren. Ein paar Kleinigkeiten vielleicht, aber nichts von größerem Umfang. Knapp 1.000 € reichen, um aufzustocken, was ich für den echten Start brauche.

Da sind ansonsten erst mal die Betriebsausgaben. Ich muss mobil sein, also Auto… Ich fahr derzeit einen Firmenwagen, muss also ein neues Vehikel anschaffen. Am besten Leasing, da kann ich die monatlichen Raten sofort absetzen. Und ich bin überrascht, was es für Sparmöglichkeiten gibt, wenn man sich mal umschaut und beim Auto flexibel ist. Einfach mal bei Sixt oder ALD nach Firmenleasing schauen. Manchmal gibt es Modelle, die sind vom Hersteller besonders gefördert und dann im Leasing deutlich billiger, als andere, im Kaufpreis vergleichbare Auto. Dazu natürlich noch Benzin und andere Verbrauchskosten.

Dann (auch wenn ich zunächst von zu Hause aus arbeite) Kosten für Webseite, Webzugang, Telefon, Handy, Bankgebühren, Buchhaltung/Steuerberater und vor allem Werbeausgaben. Alles in allem sicherlich immer nur hier und da mal 50 €, aber in der Summe dann doch ein paar hundert, die sich summieren.

Dann Sozialversicherung und Altersvorsorge. Habe neulich mit einer selbständigen Eventmanagerin gesprochen, die meinte es liefe „super“, aber dann sagte, dass sie für ne vernünftige Altersvorsorge „natürlich nix übrig“ hätte…  ha? hmmm… Als Fotograf geht’s in die KSK und da sind glücklicherweise die Beiträge wie in der gesetzlichen Krankenkasse prozentual ans Einkommen gekoppelt, aber auch da kommen schnell 20% des Umsatzes als Anteil des Versicherten zusammen (siehe Details hier). Und die Rentenversicherung ist auch mal eher Minimalniveau.

Und dann hält ja Vater Staat auch noch (berechtigterweise) die Hand auf, für all die Infrastruktur, die wir nutzen können. Umsatzsteuer und Vorsteuer sind zwar größtenteils nur durchlaufende Posten (jedenfalls wenn wir als Fotograf mit 7% arbeiten, aber für die meisten Dinge 19% zahlen siehst gut aus), aber Gewerbesteuer und vor allem Einkommensteuer (beides kompliziert zu berechnen, aber letztere auch mal easy 35% des zu versteuernden Umsatzes) sind happige Posten im Liquiditätsplan.

Ganz banal gerechnet sind also etwa die Hälfte des Umsatzes erst mal wieder weg, bevor ich mir davon meinen Unternehmerlohn auszahlen kann… Und da ich ja auch noch meine Wohnung und mein Essen zahlen muss, und meine Kleidung und was man sonst noch so braucht (ok, das Hobby nicht mehr, das ist jetzt Firma :), na ja, jedenfalls bleiben da noch Summen übrig, die Monat für Monat gedeckt sein wollen. Und da ich nicht davon ausgehen kann, dass Monat für Monat von Anfang an sofort die tausende Taler auf mein Konto rollen, die nötig wären, muss erst mal überbrückt werden.

Ein Liquiditätsplan, der Monat für Monat mal eine Übersicht auswirft, was am Monatsanfang und -ende auf dem Konto steht, ist eine Augenöffnende Sache. Mich hat meiner einige Wochen harte Arbeit und viel Recherche gekostet (und ich habe eine kaufmännische Ausbildung!), aber wenn dort alle 3 Monate (immer wenn Einkommenssteuer fällig wird) eine rote Zahl steht, heisst das, das Konto ist leer.

Dementsprechend habe ich die Finanzierung so angesetzt, dass die roten Zahlen verschwinden. Blöderweise tauchen die Finanzierungskosten im Kostenblock als Zinszahlungen wieder auf (und Tilgung kommt später auch dazu), aber schlussendlich will ich lieber in der ohnehin schon harten Startphase ruhig schlafen können, als mir über die nächste Mietzahlung oder das Abendessen sorgen zu machen. Die Gesamtsumme der Finanzierung muss aber natürlich so gewählt sein, dass man bei Schiffbruch nicht gleich mit untergeht, sprich auch bei einem Scheitern und der Rückkehr in ein Anstellungsverhältnis stemmbar ist…

So – das jetzt mal eine Menge Holz zum Thema Finanzen. Gerne gebe ich bei Interesse noch etwas detaillierter Auskunft, ohne Anspruch auf irgendwas. Aber für heute soll’s das erst mal sein. Ich möchte trotzdem enden mit einer kleinen Grafik, die mir heute über den Weg lief…

Auf dann.

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