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Moin zusammen,

vor einigen Wochen berichtete ich von meinem ersten Titel-Shooting für ein Fachmagazin. Dies fand im Rahmen einer Eventdokumentation statt und wurde quasi „hintendran“ gehangen („Können Sie das auch machen?“ – „Klar kann ich!“). Der Preis war also ein Kombipreis, da ich ja eh mit meinem Geraffel vor Ort war, auch wenn ich sonst die Blitzanlage (Strobist-Style) nicht benötigt hätte. Aber allein um der Erfahrung willen wollte ich es machen, der gebotene Kurs war in Ordnung. Da der Auftraggeber mich etwas runtergehandelt hatte, bot er mir an, dass ich die Fotos ja auch noch dem fotografierten Referenten direkt anbieten könnte, zu seiner Eigennutzung… Hätte ich eh gefragt ;-)

Das tat ich dann auch, sobald das Magazin die Bilder fertig bearbeitet bekommen hatte. Das war vor zweieinhalb Wochen. Wir hatten abgestimmt, dass der Referent die Bilder aber erst verwenden darf, wenn das Magazin erschienen ist. Seitdem hatte ich jedoch nichts gehört. Mein Angebot sah wie folgt aus… Nutzungsrechte zeitlich und räumlich uneingeschränkt je Bild in Bildschirmauflösung (800 px) 49 Euro, in Druckauflösung (A4) 79 Euro. Bei Abnahme von allen 4 Bildern eines gratis und bei Erlaubnis der Nutzung für meine Eigenwerbung 15% Rabatt.

Nun wird der ein oder andere natürlich schnell und laut aufschreien, mit Hinweis auf die Bildhonorarempfehlungen des MFM, in dem zum Teil von mehreren hundert Euro nur bei Verwendung als Beilage einer Pressemappe für wenige Monate gesprochen wird… Aber meine Position ist nun mal, dem Kunden vollumfängliche Nutzungsrechte zu einem vernünftigen Preis anzubieten. Und ich kenne die Sicht der Dinge nun auch mal aus der anderen Perspektive, aus der der nutzenden Unternehmen. Und da „hat“ man das Foto vom Fotografen bekommen und auch das „Nutzungsrecht“ erworben (da wird nämlich nicht differenziert, für was und wen) und fertig. Kein Mensch Kaum jemand wendet sich bei jeder neuen Nutzung an den Fotografen und fragt dafür die Preise an, unter Angabe der Auflage, zumal man bei den heutigen Online-Pressediensten eh nicht ermitteln kann (und aus PR-Sicht ist diese weite Verbreitung ja auch gut und gewollt). Daher meine klare Absage an diese Honorarempfehlungen, zumal ich kein großer Freund von Verbänden und Vereinen bin. Was ich da bislang gesehen / gelesen habe, hört sich so starrköpfig und überholt an, dass es mich schüttelt… (vielleicht werde ich eines Tages aber auch die Meinung hierzu ändern…)

Zurück zum Thema. Am Montag erreichte mich dann im Urlaub die Mail einer Kollegin des „Models“ aus der PR-Abteilung. Sie hätte noch ein paar Fragen zu den Bildern. Dafür melde ich mich doch gerne aus dem Urlaub kurz zurück. Kurzum – sie wollen alle vier Bilder haben. Es ging noch einmal um die genauen Rechte und die Frage der Lieferbarkeit, weil sie nämlich gerade eine andere Anfrage haben, bei der Sie ein Bild einsetzen wollen. Und zur Eigenwerbung habe ich auch die Zustimmung. Der Preis war kein Thema. Damit liege ich nun sogar über den Einnahmen, den ich eigentlich fürs Shooting haben wollte…

Nun kann man sagen, wenn sie gleich alle vier Bilder nehmen, hätten sie auch sicherlich mehr bezahlt. Und wahrscheinlich hätten sie das auch, denn es handelt sich um einen großen, weltweit agierenden Konzern mit fast 4 Mrd. Euro Umsatz pro Jahr. Aber ich habe mich nun einmal entschieden, dass alle meine Kunden dieselben Preise zahlen sollen, sei es die Zahnarztpraxis um die Ecke oder eben der Industriemulti. Fürs Shooting genauso wie für die Nutzungsrechte. Und gerade bei einer Zweitverwertung (wenn bereits ein Auftraggeber die Grundkosten gedeckt hat) habe ich nicht den Eindruck, dass mir hoch pokern etwas bringt. Bei 200 € oder sogar mehr pro Bild hätte der Kunde (meiner Einschätzung nach) höchstens ein Bild abgenommen. Und ich hätte mit den anderen auch nichts anfangen können. Zumal ich noch häufiger bei Events fotografieren und den Referenten Fotos zur Eigennutzung anbieten möchte, auch ohne eigenes Portrait-Shooting – und da wird es bei dreistelligen Preisen m.E. schon sehr eng…

Wieso nun „Geduld und Spucke“???
Hmm – ich bin vom eigentlichen Thema abgekommen… Eigentlich ging es mir darum, sich nach einem Angebot durchaus in etwas Geduld zu üben und NICHT sofort dem Kunden auf den Senkel zu gehen. Meist spielt nämlich das Foto-Thema bei Managern eine dritt- bis viertrangige Rolle im Alltagsgeschäft und da kann es eben schon mal dauern. Und dass sich dann ein Kollege und eine Kollegin drum kümmert ist auch normal. Wichtig ist in dem Zusammenhang nur, dass man professionell auftritt. Sprich, das Angebot klar und lückenlos formuliert, für Rückfragen zur Verfügung steht und zu seinen Aussagen steht. Drei bis vier Wochen sollte man den Leuten meines Erachtens durchaus Zeit lassen…

In diesem Fall lag der besondere Kniff darin, dass der Auftraggeber (das Magazin) verständlicherweise das Bild zuerst veröffentlichen will, aber der andere Kunde gerade eine zeitlich kritische Anfrage hat. Ich hatte bereits im Vorfeld darauf hingewiesen, sich mit dem Magazin bzgl. des Veröffentlichungstermins in Verbindung zu setzen. Die Frage war nun für mich: Reicht der einmalige Hinweis in der Ursprungsmail? Oder sollte ich die neue Ansprechpartnerin, die mich auf einen aktuellen Bedarf hin anspricht, nochmal ausdrücklich mit der Nase drauf stoßen und die Kontaktdaten des Auftraggebers senden, auch wenn ich damit Gefahr laufe, dass sie dann abspringen?

Mir war hier vor allem wichtig, sauber und fair, d.h. im Sinne meines ursprünglichen Auftragebers zu handeln. Dementsprechend habe ich nochmals, und zwar sehr nachdrücklich, um Kontaktaufnahmen mit dem auftraggebenden Magazin gebeten. Wenn ich hier unsauber gearbeitet hätte, hätte ich mir wahrscheinlich zwei zukünftige Kunden verprellt und das kostet schnell mehr, als das Honorar, das ich jetzt bekomme.

Soweit mal für heute. Und nun muss ich schauen, welches neue Weitwinkel-Objektiv ich mir hole, nachdem ich beim letzten Shooting eines Teams merkte, dass meine Kit-Linse nun wirklich nichts für gehobene Ansprüche ist…

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