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Wow… über einen Monat ist der letzte Eintrag her. Aber ich hab auch eine Top-Entschuldigung. Ich habe mich die letzten Wochen der Fertigstellung meines Businessplans und der Bankunterlagen gewidmet. Ich hatte ja neulich schon mal einen Artikel zum Thema Gründungsfinanzierung durch KfW-Mittel geschrieben. Und auch wenn ich schon etliches zu dem Thema fertig hatte (etwa 10 Seiten Text für den Businessplan, dann noch einmal 10 Seiten Tabellen und Berechnungen und dazu gehörig noch kurze Infotexte, die Hinweise zu den Zahlen geben) gab es noch einiges zu tun. Insgesamt also nicht nur 26 Seiten, die mit Inhalt gefüllt werden wollen, sondern eben auch Unmengen an Infos zu recherchiert sein müssen.

Fragen über Fragen
Welche Berufsgenossenschaft ist für mich zuständig und MUSS ich da Mitglied sein? – Ja, es ist die Berufsgenossenschaft Energie, Textil, Elektro und Medienerzeugnisse, kurz BG ETEM).

Bin ich als Businessfotograf Mitglied bei der Künstlersozialkasse? – Ja, siehe hier unter Punkt 11, Zitat: „So sind Fotografen ohne Rücksicht auf die künstlerische Qualität ihrer Bilder und den ihnen eingeräumten Gestaltungsspielraum als Künstler im Sinne des KSVG einzuordnen, wenn die Anfertigung der Fotografien Werbezwecken dient“.

Kann ich meine private Krankenversicherung beibehalten und gibt es Zuschüsse? – Das kommt drauf an – ich kann, denn ich nehme jetzt erstmalig eine künstlerische Tätigkeit auf; es gilt eine 3-Jahres-Frist, siehe auch „Befreiung von der gesetzl. KV„. Auch Zuschüsse kann ich bekommen.

Was will so eine Bank überhaupt an Unterlagen haben und wie sieht sowas aus? – Da gibt’s eine schöne Webseite vom Bundes-Wirtschafts-Ministerium, die alles gut erklärt. http://www.existenzgruender.de

Du hast nie eine zweite Chance für einen ersten Eindruck
Und wenn man dann alles beieinander hat, sollte es natürlich auch picobello, ordentlich und auf den Punkt vorbereitet sein, wenn man es der Bank übergibt. Denn Du hast nie eine zweite Chance für einen ersten Eindruck. Kann man gar nicht oft genug sagen. Bei mir lief das nun wie folgt ab.

Als erstes habe ich bei ortsansässigen Banken gefragt, ob es überhaupt hier einen Firmenkundenbereich gibt. Von den 11 Banken vor Ort waren das nur 2 Stück. Dort habe ich (zunächst noch ohne Termin) kurz vorgesprochen. In 2-3 Sätzen mein Vorhaben erläutert (der berühmte „Elevator-Pitch“) und gefragt, wie in dieser Bank dann das übliche Vorgehen wäre, welche Unterlagen sie von einem Gründer erwarten, etc. Natürlich wusste ich bereits VORHER, was normalerweise verlangt ist, es kam mir hier auf eventuelle Besonderheiten an und auch einen ersten Kontakt zu knüpfen. Dabei erhält der Bank natürlich auch schon einen Eindruck von jemandem. Ein selbstsicheres Auftreten, eine gewisse Vorbereitung und der Respekt, dass man unangemeldet nicht mehr als ein kurzes 5-Minuten-Gespräch erwarten sollte, zählen dazu. Da meine „Hausbank“ im Internet und mein Kundenberater vermutlich in Bangalore sitzt, musste ich hier also in fremdes Terrain gehen – das schien aber bislang kein großer Nachteil zu sein.

Ordentlich, penibel, gewissenhaft – das muss leider sein
Nach den ersten Vorgesprächen (die dann übrigens eher 20-30 Minuten dauerten, weil es Bänker wohl interessant genug fanden), hab ich dann meine Unterlagen entsprechend fertig gemacht. Und das heisst IMMER WIEDER geprüft, durchsehen lassen von meiner Frau und einem befreundeten Steuerberater. Texte prüfen, Zahlen prüfen und abgleichen. Am Ende noch ordentliche Präsentationsmappen gekauft, weil 26 Seiten natürlich nicht einfach im Schnellhefter über den Tisch gereicht werden. Alles ordentlich ausgedruckt (sogar ein neuer Drucker musste her, weil der alte nur noch streifig druckte), an der Reihenfolge gefeilt, alle Schrifttypen angeglichen, vernünftige Deckblätter gemacht etc. etc. etc.

Eine solche Mappe kann man gar nicht sorgfältig genug machen, denn schließlich geht es hier um die Verwirklichung eines Traumes, um die Finanzierung meiner Existenz – viel größer geht es kaum. Und das muss so ein Dokument auch vermitteln. Ich weiss aus meinem jetzigen Job selber, was man manchmal für Bewerbungen auf eine Stellenanzeige bekommt und das glaubt man zum Teil nicht. Und so ein Businessplan ist noch viel mehr als eine simple Bewerbung…

Volle Konzentration
Daher habe ich auch in den letzten Wochen kaum Shootings gehabt, sondern mit voller Energie an den Unterlagen gearbeitet. Und nun war es soweit. Letzte Woche hat die erste Bank die Unterlagen persönlich überreicht bekommen und heute die zweite. Beide Male war meine Frau dabei, die zwar das Darlehen NICHT mit aufnimmt, aber natürlich betrifft meine Entscheidung sie ja auch. Sie hat zwar ihr eigenes gutes Einkommen, aber Bänker wollen wissen, ob der Partner hinter dem Vorhaben steht. Einer der Bänker fragte sie sogar explizit und konkret direkt geradeaus: „Und Sie unterstützen das Vorhaben Ihres Mannes voll und ganz?“ – Da müsste man schon explizit lügen oder ausweichen und beides merkt der Gegenüber schnell.

Außerdem musste ich ja auch noch den Beweis liefern, dass ich trotz nicht vorhandener formeller Fotografenausbildung denn auch vernünftig fotografieren kann. Daher gab es zum einen neben der Mappe mit dem Businessplan noch eine die Präsentations-Mappe mit 20 Fotofachabzügen. Die hab ich auch für den Zeitraum der Prüfung dort gelassen, quasi zum nachschlagen. Denn der Bänker vor Ort prüft zunächst selber, aber reicht meinen Antrag dann weiter an die KfW. Und wenn dort Rückfragen kommen, hätte ich gerne den Bänker überzeugt auf meiner Seite. Und nicht mit vagen Erinnerungen an Bilder, die ich mal kurz durchgeblättert habe.

Schlussendlich habe ich noch ein kleines Ass im Ärmel gehabt. Denn das Magazin mit meinem Foto auf dem Titel ist inzwischen erschienen und so konnte ich nicht nur schicke Fotos vorweisen, sondern auch bereits unternehmerischen Erfolg und der Beweis, dass meine Fotos gut genug für ein Titelbild auf einem Magazin aus dem Hause der F.A.Z. sind.

Es geht gut an :)
Heute kam schon von der ersten Bank der positive Bescheid, dass die Unterlagen schon fast so an die KfW könnten, es gibt nur noch ein paar kleine Nacharbeiten zu tun, denen ich mich in den kommenden Tagen widmen werde (das WorstCase-Szenario etwas weiter ausführen und bestehende Kundenbeziehungen stärker hervorheben). Das bei der Übergabe noch avisierte Feedback-Gespräch (bei dem ich erwartete mit einigen kritischen Fragen „gegrillt“ zu werden) scheint gar nicht nötig zu sein, da schon fast alles Notwendige enthalten war.

Die Mitarbeiterin der zweiten Bank, die heute erst die Unterlagen erhielt (denn ich fahre natürlich zweigleisig in der Vorprüfung), war sogar voll des Lobes über die Aufbereitung und Vollständigkeit der Unterlagen – hört man ja auch gerne sowas.

Alles in allem scheint sich die Arbeit zu lohnen. Positiver Zuspruch von der Bankenseite – was will ich mehr. Na klar, die finale Finanzierungszusage zu brauchbaren Konditionen. Aber auch das wird sich ergeben.

Schlussendlich hab ich am Wochenende noch ein sehr entspannendes Shooting gehabt. Die „Kraftquelle Frankfurt“ brauchte für Ihre Tonfeld-Seite neue Bilder. Das war schon fast meditativ und sehr interessant. Zum Abschluss daher noch ein paar Impressionen.

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