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Heute möchte ich ein wenig über den Prozess der Logo-Findung berichten, der allerdings noch nicht abgeschlossen ist. Ich hatte ja schon geschrieben, dass ich hierfür 12designer.com, eine Internetplattform für Design-Jobs nutzen werde. Die Vorgehensweise in Kurzform: Als Auftraggeber legt man ein Projekt an (in meinem Fall „Logodesign für Business-Fotografie“, legt einen Preis fest (12designer hat Mindestgrenzen und spricht Empfehlungen aus) und schreibt ein Briefing (also z.B. was das Logo kommunizieren soll, welche Farben es haben soll / nicht haben darf, etc.). Zusätzlich kann man noch mit Zielgruppen-Slidern festlegen, ob das Design eher junge oder ältere Menschen, Frauen oder Männer, private oder geschäftliche und konservative oder innovative Kunden ansprechen soll. Man kann wählen, ob man garantieren will, einen Entwurf zu erwerben, Vorkasse über die Plattform zahlen möchte oder das Projekt  „privat“ stellen will (dabei können die Designer nicht voneinander abgucken). Diese Zusatzoptionen sollen dazu führen, dass sich eine größere Anzahl erfahrener Designer am Projekt beteiligt und die Qualität der Entwürfe höher ist – was ich bestätigen kann.

Was kommt dabei so rum?
Eine ganze Menge und das sehr schnell… Ich war echt überrascht, bereits nach 36 Stunden über 30 Entwürfe bekommen zu haben. Ja, klar, da waren auch eine Reihe wenig überzeugender Entwürfe dabei. Manche haben sich auch nur rudimentär an meine Vorgaben gehalten, wieder andere in den Logo-Baukasten gegriffen und nur den Text getauscht – aber das war eher die Minderheit. Der Großteil war kreativ und bot gestalterisches Können.

Ich habe, weil die Plattform inzwischen international ist, mein Briefing auch auf Englisch verfasst. Und tatsächlich kamen ca. 2/3 der Entwürfe aus dem Ausland. Schweden, Frankreich, Spanien, Italien – sogar Indien war dabei. Inzwischen sind es 108 Logos von 32 Designern – und die Ausschreibung läuft noch 10 Tage lang.

Und wie kommt’s so an?
Das ist ja die entscheidende Frage. Also – ich hatte keine Probleme, eine Auswahl von 10 Logos zu treffen, mit denen ich dann in meinem Freundeskreis auf Feedbackrunde gegangen bin. Die Qualität war insgesamt erfreulich hoch für mein bescheidenes Budget. Also – ein bisschen schwierig war es doch, denn oft reicht ein Grafiker ein Design in mehreren Variationen ein (was prima ist), aber in einer Feedbackrunde will ich zunächst mal die grobe Richtung festlegen.

Mit diesen 10 Logos habe ich also zunächst mal Freunde konfrontiert, die KEINERLEI grafische Bildung haben. Und sie sollten möglichst spontan eine Benotung von 1 Stern (Nein, danke) bis 5 Sterne (Klasse) vergeben. Keine Interpretation oder Beurteilung – sonst werden aus Laien auf einmal Logodesigner, die anfangen zu sinnieren, was die Symbolik oder die Farbe aussagen sollen…

Über diese Runde fand ich aber auch heraus, dass das eine Krawatte, die in einigen der Logos als Business-Symbol verwendet wurde, zwar den Bezug zu „Business“ herstellt, jedoch einige Frauen die Frage nach der „weiblichen“ Version stellten. Diese Frauen sind weder Emanzen noch notorische Gleichstellungsnörgler, sondern Menschen, auf deren Input ich Wert lege. Leider gibt es keine weibliche Entsprechung zur Krawatte, aber ich wette, dass es oft genug Frauen sind, die bei der Auswahl des Fotografen eine entsprechende Rolle spielen… Auch wenn die Logo-Kombination Krawatte und Kamera eine gewisse Alleinstellung wäre (Fotografen-Logos mit Kamera, Blenden und Linsen gibt es einfach schon zu viele), spiele ich doch mit dem Gedanken, diese Element daher auszuschließen. – Aber schauen wir mal, was sich die nächsten Tage noch ergibt.

Die Profis kommen auch zu Wort
Ich bin privat mit etlichen Designern und Grafikern befreundet. Diese hatten mir auch ihre Unterstützung angeboten – ich habe mich aber dafür entschieden, diese Hilfe beim Auswahlprozess, anstatt bei der Gestaltung in Anspruch zu nehmen. Und so bin ich derzeit dabei, die Entwürfe im persönlichen Gespräch mit den Profis zu diskutieren. Und dabei werden bisweilen natürlich andere Schwerpunkte gelegt. Hier wird eher unterschieden, zwischen eigenem persönlichem Geschmack und handwerklicher Qualität eines Entwurfs. Es kann ja durchaus sein, dass ein Entwurf nicht den Geschmack des Designers trifft, aber handwerklich sauber und gut gestaltet ist. Oder umgekehrt, er ist irgendwie cool und ansprechend, hat aber in der Umsetzung derbe Mängel, die ein Laie nicht benennen kann…

Und was wird’s werden?
Das weiss ich noch nicht. Noch gibt es keine eindeutigen Tendenzen. Aber so ganz habe ich das auch nicht erwartet. Ich habe in meinem jetzigen Job mehrere Logo-Redesigns begleitet. Firmenlogos, Produktlogos – selten gab es hier einen eindeutigen Konsens zugunsten eines Entwurfes. Aber es ist möglich, gewisse No-Gos herauszufiltern. Entwürfe die vielen Leuten NICHT gefallen.

Am Ende des Tages werd‘ ich diese Entscheidung aber alleine fällen müssen. Und das will ich mir auch nicht nehmen lassen. Ich werde den Input berücksichtigen, aber die nahe beieinander liegenden Wertungen zeigen auch, dass die Geschmäcker eben sehr verschieden sind. Das Logo ist ein wichtiges Element und soll daher niemanden abschrecken, gleichermaßen allen gefallen kann es aber nun mal nicht. Das ist auch nicht schlimm, denn das Logo ist am Ende „nur“ ein Logo. Meine Markenidentität wird bestimmt durch den Gesamteindruck, den ein Kunde bekommt. Durch meine Webseite, durch meine Bilder, durch mein Auftreten. Das Logo soll helfen, den hoffentlich positiven Eindruck mit einem Symbol zu verankern – nicht mehr, nicht weniger.

Am Ende ist es wie bei der Bildauswahl nach einem Shooting. Wenn man sich bei drei Bildern auch nach mehrmaligem hin- und herwechseln nicht entscheiden kann, welches das Beste ist, dann ist es egal, welches man nimmt. Dann sind nämlich alle gut genug.

Zum Schluss noch was aus ’nem aktuellen Shooting. Kartenterminals bei der Konfiguration…

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