Schlagwörter

, , , , , , ,

Moin moin, liebe alle.

So – ein halbes Jahr meiner Selbständigkeit ist nun herum. Zeit für eine Zwischenbilanz und ein paar aktuelle Entwicklungen.

Zum letzten Mal – Auto (versprochen!)
Seit 1.7. habe ich nun endlich, nach ein paar Lieferverzögerungen, mein neues Auto. Bislang gibt’s nur ein paar Handy-Fotos davon, aber das muss reichen. Damit wäre diese Odyssee, die sehr viel Geld und ebenso viele Nerven gekostet hat, endlich vorbei. Danke an alle, die mir es mit ihren aufmunternden und mitfühlenden Kommentaren etwas erleichtert haben. Immerhin ist das ja ein Fotografen-Blog. Oder ein Gründer-Blog. Oder was auch immer. Anteilnahme ist jedenfalls gut.

Immer mehr Anfragen nach Bewerbungsfotos
Die Google-Suche listet mich inzwischen ganz gut, wenn man auf Maps lokal sucht. Daher kommen immer mehr Anrufe nach Pass- oder Bewerbungsfotos rein. Ohne Studio kann ich diese natürlich nicht machen (im Wohnzimmer mache ich das zwar für Freunde, aber nicht für Fremde). Wenn ich später evtl. ein kleines Büro hier im Hinterhof anmiete werde ich da evtl. einen kleinen Aufbau machen, um diese Leute nicht wegzuschicken. Derzeit empfehle ich meist einen Fotografen in Frankfurt, bei dem meine Frau vor vielen Jahren mal sehr gute Bilder hat machen lassen. Er rief mich dann neulich etwas verdutzt an, weil er sowas wohl nicht gewohnt war. Immerhin konkurrieren wir in anderen Bereichen. Aber ich finde es immer besser einem Interessenten eine Lösung für sein Problem anzubieten, als nur zu sagen „mach ich nicht“. Er horchte mich ein wenig aus – ganz wohl war mir auch nicht dabei, ihm gegenüber zuzugeben, dass ich’s erst so kurz mache, weil ich natürlich auch nicht seine eventuellen Vorurteile bedienen möchte. Aber so isses nu mal.

Die Auftragslage
Ansonsten gemischt derzeit. Für den Juni hatte ich noch ein paar große Buchungen über bestehende Kontakte (Freunde von mir sind in der Kongress-Branche tätig). Für die nächsten Monate muss ich aber noch etwas schubbern. War die letzten Wochen wieder viel bei meiner Mutter und habe die Akquise daher etwas schleifen lassen (müssen). Hier jedenfalls ein paar Eindrücke.

Routine – und weil sie so wichtig ist!
Es gab noch einen spontanen Job, weil der normalerweise beauftragte Fotograf keine Zeit hatte (auch hier waren es wieder Freunde, die mich vermittelten). Eine Firma, die Technologie-Startups betreut, brauchte recht spontan einen Fotografen, der ein Projekt zur Verkehrssicherheit fotografiert. Es ging um Gefahrensituationen an Kreuzungen. Nicht Portrait, aber auch Business – irgendwie. Aber dabei merkt man auch schnell, wo die eigenen Grenzen sind. Auf dem Shooting war noch alles prima. Um Dynamik in die Szene zu bringen, habe ich mit langen Belichtungszeiten gearbeitet, so dass das fahrende Auto, das den Fußgänger oder Radfahrer gefährdet, auch entsprechend dargestellt wird. Auf dem Kameradisplay sah auch alles gut aus. Am Rechner später die Ernüchterung. Leider hab ich (mangels Routine) verpeilt, dass die Kamera dabei auf ’nem Stativ sein sollte (das ich natürlich dabei hatte). Schon ein leichtes (unbewusstes) Mitziehen der Kamera oder auch nur das Knipsen mit 1/20s bei 100 mm Brennweite machen mehr Bildteile als gewünscht unscharf. Und da helfen selbst Piccure oder die Reduce-Shake-Funktion vom neuen Photoshop (Demo installiert) nix mehr.

Ich habe dann dem Kunden bei Lieferung gesagt, dass einige Bilder (etwa 3 von 40, aber wichtige Szenarien) eigentlich nicht meinem Standard entsprechen, aber er fand sie trotzdem gut genug und merkt mich für zukünftige Aufträge vor. Puh! Wie gesagt, das war ein klassischer Mangel an Routine, eigentlich weiss ich das ja – aber in der Hektik der Situation (3 Personen in Fahrzeugen mussten per Telefon koordiniert werden und die gewünschte Bildaussage war auch erst nicht klar) hab ich weniger Augenmerk auf die Technik gelegt. Der Fehler wird mir aber so schnell nicht wieder passieren – dafür bestimmt andere ;-)

Und ohne Vitamin-B?
Es trudelten auch ein paar Anfragen ein, die nicht durch Connections zustande kamen. Eine erste (für ein Firmenjubiläum) auf mein Mailing, sowie eine weitere (Abteilungs-Shooting mit 25 Portraits) über die Webseite. Für die Jubiläumsfeier im September steht ein Feedback noch aus, für das Abteilungs-Shooting gab’s eine Absage. Dazu vielleicht ein paar Worte.

Wie gesagt – es flatterte per Mail diese Anfrage von einem großen Immobilien-Unternehmen aus der Region herein. Man wollte Portraits von den ca. 25 Mitarbeitern einer Abteilung und eventuell noch ein Gruppenbild haben. Bei telefonischer Nachfrage hab ich noch ein paar Details eingeholt und erfahren, dass man derzeit zwar schon Bilder hat, mit denen aber nicht zufrieden ist, weil die „nur mal so nebenbei“ nach einer Tagung gemacht wurden von einem Fotografen, den das Hotel empfohlen hatte (der wohl meist Hochzeiten fotografiert). Aus der Kenntnis heraus, was andere Fotografen für Kurse für solche Shootings aufrufen war ich mal mutig und habe ein für meine Begriffe forsches, aber m.E. trotzdem gerechtfertigtes Angebot abgegeben.

Mal konkret ein paar Zahlen. Eine Freundin berichtete mir von deren Firmenshooting – Headhunter-Firma, 15 Mitarbeiter, 1 Tag Shooting vor Ort mit Visagistin für ca. 5.000 €. Eine weitere befreundete Bänkerin hatte auch ein Abteilungs-Shooting mit 45 Personen, 3 Tage, mit Visa und Portrait-Retusche für 13.000 €. Beide berichteten von etwa 15 Minuten Shootingdauer pro Person. Ich habe zunächst mit meinem üblichen Tagessatz (Shooting + Nachbearbeitung) gerechnet und lag signifikant darunter. Daraufhin habe ich zwei Alternativen etwas teurer gerechnet und angeboten. Einmal die „Executive“-Version mit 15-20 Minuten pro Shooting (2 Tage Shooting) für etwa 6.500 € und eine „Standard“-Version mit 5-7 Minuten pro Person (1 Tag vor Ort – das geht auch meist ganz ok, wenn die Person nicht völlig steif und gehemmt ist) für gut 4.000 €. Beim Follow-Up-Call („Haben Sie das Angebot schon prüfen können? Sind noch Fragen? Wissen Sie schon ungefähr, wann eine Entscheidung fällt?“) kam dann die Antwort, „dass es ehrlich gesagt zu teuer ist“. Da ich ja schon zwei Optionen angeboten habe, und ich nicht dieselbe Leistung dann noch einmal billiger machen wollte, habe ich keine Nachverhandlung angefangen. Sie klang auch nicht so, dass es an 200 € scheitert. Leider habe ich nicht nachgefragt, in welcher Größenordnung sie so kalkuliert hätten. Ich war mir aber vorher bewusst, dass ich für meine Verhältnisse hoch pokere. Aber auch das muss sein können. Beim nächsten Mal werde ich vielleicht etwas vorsichtiger sein. Will aber auch kein Preis-Dumping betreiben. – Und wie hättet Ihr so an meiner Stelle kalkuliert oder gehandelt?

EDIT: Nachfrage beim Interessenten ergab, dass deren Limit bei 2.000 € inkl. Visagistin gelegen hätte. Meinungen dazu?

Ach ja – Zahlen?
Da bin ich noch dran. Gleiche grade meinen Businessplan mit der Buchhaltung ab. Ende des Monats weiss ich mehr …

Advertisements