Lieber Leser,

eigentlich habe ich diesen Blog ja vor exakt einem Jahr beendet (warum kannst Du im letzten Eintrag nachschauen). Aber als ich zufällig gesehen habe, dass ich dieses Jahr trotzdem noch fast 1.800 Besucher (also ca. 150 jeden Monat oder 5 am Tag) auf dieser Seite habe, die fast 6.000 Artikel lasen, dachte ich, es wäre Zeit ein kurzes Lebenszeichen von mir zu geben. Daher also heute ein kleiner Jahresrückblick auf mein 2. Jahr in der Selbständigkeit.

Rückblick Jahresende 2013

2013??? Ja, genau. Denn bis man seinen ersten Jahresabschluss so in den Fingern hält, kann es ganz schön dauern. 2013 habe ich, wie kaum anders zu erwarten, mit einem kleinen Verlust abgeschlossen (ungefähr ziemlich genau die Summe, die mich das Auto-Desaster gekostet hat) – und da war mein „Gehalt“, was man als Einzelunternehmer aus dem Gewinn nimmt, noch gar nicht dabei. Nichtsdestoweniger habe ich 2013 also positives Jahr gewertet, da es zahlenmäßig ja gar nicht anders zu erwarten war. Wie also war 2014 im Vergleich dazu? – Nun, mein Ziel war eine Umsatzverdoppelung. Das mag sich ambitioniert anhören, ist aber auf dem niedrigen Niveau eines ersten Jahres durchaus machbar, dachte ich. Und ich sollte Recht behalten :)

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Hier einmal (um Zahlen bereinigt) die Umsatzentwicklung 2013-2014 im Vergleich. Sowohl im Umsatz (+122%) als auch bei der Auftragsanzahl (+132%) konnte ich das Ziel nicht nur erreichen, sondern knapp übertreffen. Damit lag ich ebenfalls knapp über dem Ziel fürs zweite Jahr, dass ich glaskugelmäßig in meinem ursprünglichen Businessplan anvisiert hatte. Im Businessplan war die monatliche Entwicklung aber eher gleichmäßig eingetragen (wissend, dass das nicht so sein wird). Wie sich die monatlichen Umsätze aber tatsächlich unterscheiden, sieht man hier ganz gut.

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Sowas muss natürlich bedacht werden. Im obigen Diagramm ist immer der Monat der Rechnungsstellung als ausschlaggebend. Mein Zahlungsziel ist 14 Tage, so dass der Geldfluss leicht versetzt erfolgt. In 95% aller Fälle kam das Geld auch in diesem Zeitraum, lediglich einmal musste ich bis zur 2. Mahnung gehen. Einige Male habe ich freundlich beim Kunden angefragt, wie denn der Stand der Dinge sei und meist war die Buchhaltung einfach nur überlastet und hat die zuerst bearbeitet, die gemoppert haben und hat dann innerhalb weniger Tage überwiesen.

Schlussendlich braucht es aber auf jeden Fall einen Puffer (siehe Sommermonate). Dafür hat sich bei mir die Autorücklage als sinnvoll erwiesen. Ich habe mir ja seinerzeit einen Wagen gekauft, anstatt, wie zunächst angedacht, einen zu leasen. Da man als Gründer beim Leasing zunächst eine hohe Anzahlung (ca. 40%) leisten muss, geht erst mal viel Geld über die Ladentheke. Aber am meisten hatte mich gestört, dass die Laufzeit komplett fix ist. Das heisst, nach 3 oder 4 Jahren MUSS ich entweder den Wagen zu einem festgelegten Preis übernehmen (den ich bis dahin ansparen müsste), oder das Fahrzeug geht zurück (und meist darf man noch 1-2.000 € nachzahlen, weil die Leasingfirma irgendwelche Schäden findet). Dann muss man ein neues Fahrzeug leasen, für dass wahrscheinlich auch wieder eine Anzahlung zu leisten ist, da die Jahresabschlüsse eine Gründers nicht von Anfang an satte Gewinne ausweisen. – Bei einem eigenen Wagen fällt dieses fixe Zeitkorsett weg. Natürlich habe ich hier am Anfang eine hohe Investition und ich muss monatlich eine Rücklage für die Anschaffung des Nachfolgers zurücklegen, aber 1) kann ich den Zeitpunkt des Fahrzeugtauschs weitgehend frei bestimmen (mein Neuwagen hat sogar 6 Jahre oder 120 tkm Garantie) und 2) dient mir die Rücklage für den Neuwagen als finanzieller Puffer für die schwachen Sommermonate. Wichtig ist natürlich, dass man das Geld, was man sich im Sommer von diesem Konto „geliehen“ hat, auch nachher wieder zurückzahlt.

Vitamin-B(eziehungen)

Ein weiteres Ziel für 2014 war es, den „Vitamin-B“-Anteil zu reduzieren, also den Anteil der Geschäfte, die über Freunde oder alte Geschäftskontakte kam. Natürlich heisst das nicht, dass ich Aufträge ablehne, aber natürlich ist es wichtig, sich auch am freien Markt zu etablieren. In 2013 betrug der Anteil dieser Aufträge und Umsätze, die ich durch Vitamin-B Deals bekommen hatte, ungefähr 2/3. Das ist in einem Gründungsjahr durchaus wichtig und ohne einen dieser Hauptauftraggeber hätte ich meine Selbständigkeit wahrscheinlich nach einem Jahr beenden müssen. Aber ich konnte mein Geschäft am freien Markt langsam etablieren und so gute Aufträge bekommen, dass ich (trotz Zuwachs bei den Vitamin-B Aufträgen) deren Anteil am Gesamtumsatz auf 1/3 senken konnte. Immerhin hatte es letztes Jahr bis August 2013 gedauert, bis ich den ersten Auftrag in meinem Kerngebiet (Business-Portraits) über den freien Markt bekommen habe. Da muss man schon ein bissi dickes Fell und langen Atem haben. 2014 ging das zum Glück wesentlich flüssiger.

Für nächstes Jahr werde ich vermutlich einige der Kunden aus der Vitamin-B Kategorie herausstufen. Für einige Firmen arbeite ich dann bereits im dritten Jahr, mit den Aufträgen haben meine persönlichen Kontakte dort teilweise nichts mehr zu tun und ich würde nicht erneut gebucht werden, wenn ich einen schlechten Job machen würde …

Stu-Stu-Studio

Ich hatte ja, entgegen meiner ursprünglichen Planung, im September 2013 ein kleines Studio gemietet. Eigentlich suchte ich gar nichts für Kundenverkehr sondern für mich als Spielwiese, aber der Zufall brachte einen Raum, der auch für die Öffentlichkeit geeignet war. Und so habe ich seitdem über 30 bezahlte Shootings dort gemacht und obendrein einen Raum zum Lagern von Equipment und zum schnellen Ausprobieren von neuen Setups und Ideen. Die Kosten für den Ausbau hatte ich bereits mit dem ersten Auftrag dort wieder eingespielt und die Miete liegt bei zarten 135 € im Monat (zzgl. Heizung) Mit nur einem Shooting im Monat liege ich also bereits in der Gewinnzone, durchschnittlich habe ich etwas mehr als zwei. Macht also noch mal einen netten Bonus, den ich so nicht geplant hatte. Außerdem sind durch kleine Studio-Jobs auch größere Aufträge entstanden und umgekehrt, konnte ich Großaufträge, bei denen nicht alle Mitarbeiter des Kunden am Shooting-Tag Zeit hatten, noch im Studio fortführen.

Webseiten-Performance

Ich habe meine Webseite zwar natürlich mit den einschlägigen SEO-Tools ausgestattet und auch sonst inhaltlich ein wenig optimiert, aber eben keine SEO-Schlacht veranstaltet und auch keine Google-Ads geschaltet. Trotzdem erscheint meine Seite je nach Kombination der Suchbegriffe, für die ich optimiert habe, immer auf der ersten Seite der organischen Google-Suchergebnisse – meist sogar an erster Stelle nach den Anzeigen. Die Anfragen, die direkt über mein Webformular kommen, haben sich vervierfacht (im Vergleich zu 2013) und auch die Anzahl der normalen Anfragen per Mail oder Telefon hat sich massiv gesteigert. Insgesamt hat die Webseite über 50% Besucherzuwachs gehabt, die Absprungrate liegt bei unter 1,5% und die Besucher schauen sich durchschnittlich 5,7 Seiten (von insgesamt 11 Seiten) in knapp 2 Minuten Verweildauer an. Soweit so schön, trotzdem steht natürlich wieder ein kleines Update bevor, da es doch einige neue Sachen gibt, auf die ich meine Kunden hinweisen will.

Sonstige Highlights

Auch sonst gibt es einiges Erfreuliche zu berichten. Durch meine Veranstaltungsfotografie auf Tagungen und Kongressen habe ich immer wieder prominente Gesichter vor meiner Linse – meist Politiker bei irgendwelchen Reden (z.B. Ilse Aigner, Volker Bouffier, Tarek Al-Wazir, Heinz Riesenhuber und Petra Roth). Das macht sich bei meiner Business-Zielgruppe natürlich gut.

Auch finden sich zahlreiche große Unternehmen auf meiner Neukundenliste. Weltweit agierende Pharma-Konzerne, PR-Agenturen und Personaldienstleister zum Beispiel, aber auch das Hessische Umweltministerium. Sowas steigert natürlich das Selbstbewusstsein :)

Dann habe ich noch ein Video-Tutorial zum Thema „Business-Portraits“ bei einem namhaften Trainingsanbieter veröffentlicht – und auch hier haben persönliche Kontakte eine Rolle gespielt. Als ziemlicher Newbie im Foto-Business wäre ich nie auf die Idee gekommen, aber ein recht bekannter Fotograf, den ich von früher persönlich kenne und der ebenfalls Tutorials macht, sagte, meine Fotos fände er prima und er weiss, dass ich gut präsentieren kann. So schlug er mich Ende 2013 vor und ein halbes Jahr später stand ich im Greenscreen-Studio. Das Video hat bislang einerseits etwas Geld eingespielt (das ist nichts zum reich werden!), aber vor allem ist das natürlich Werbung für potentielle Kunden …

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Mein persönliches Highlight ist aber ein größeres freies Projekt (sprich: unbezahlt). Ich habe, angeregt durch Paul Ripkes Serie „Zwei Minuten“, die hinter den Kulissen von Reinhold Beckmanns Talkshow entstanden ist, eine eigene Serie gestartet. Ca. 500m von mir entfernt ist eine von Hessens führenden Kleinkunst-Bühnen, in der sich etablierte Kabarettisten und Newcomer-Comedians die Klinke in die Hand geben. Mit ein paar Fotos unterm Arm und meiner Idee in einen kurzen Text gegossen habe ich dort vorgesprochen und nun entsteht dort die Serie „Ruhe vor dem Sturm“. Dabei fotografiere ich die Künstler ca. 30 Minuten vor Ihrem Auftritt für 5 Minuten im leeren Theatersaal vor der Bühne in schlichtem schwarzweiss mit einem einzigen Licht (Durchlichtschirm von oben links). Die Portraits sollen später das Foyer des Theaters zieren, jeweils 10 Stück im Format 120 x 90 cm haben gleichzeitig Platz, eventuell wird es auch einen Bildband in Kleinauflage geben. Bislang standen dafür schon 14 Künstler vor meiner Kamera, u.a. Lilo Wanders, Bodo Bach, Sebastian Pufpaff, Kay Ray, Django Asül und einige mehr. Das waren tolle Momente, allein von der Erfahrung her. Außerdem haben eigene Projekte den Vorteil, dass einem hier keiner reinredet. Das Schlimmste, was passieren könnte ist, dass ein Künstler die Fotos nicht freigibt. Aber da ich keine Aufträge und Ansprüche zu erfüllen habe, kann keiner sagen, das hätte er sich anders gedacht. Es ist eine große Freiheit bei der Arbeit (wenn auch zeitlich sehr eng).

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Equipment-Upgrades

Wer sich an meine Anfänge erinnert, wird wissen, dass ich mit ziemlich viel gebrauchtem Gerät (Canon 20D, iMac von 2007) und Low-End-Linsen (Tamron und Sigma) gestartet bin. Das halte ich auch nach wie vor für den richtigen Weg. Anfang 2013 kam schon eine 7D dazu und in diesem Jahr ist dann auch die zweite 20D getauscht worden, gegen eine 5D MarkIII und beim Glas habe ich jetzt nur noch Canon Festbrennweiten und L-Zooms im Einsatz. Der alte iMac (Core2Duo, 6GB Ram) wich nun einem MacMini (mit Core i7 Quad, 16 GB Ram und SSD), als Haupt-Bildschirm kommt nun ein Hardware-kalibrierter Eizo ColorEdge CS230 zum Einsatz. Neben einem nicht unerheblichem Ausschuss gerade bei Events mit schlechtem Licht oder bei Portraits mit Offenblende steigt durch die neue Kamera auch das Selbstbewusstsein, denn bei fast jedem Auftrag gibt es einen Hobbyfotografen (bei Firmen) oder andere Profis (auf Events), die schnell bemerken, mit was man arbeitet. Und auch wenn vor allem das gelieferte Ergebnis zählt, ist man doch etwas zurückhaltender, wenn man sich mit einer alten 20D neben einen anderen Fotografen drängeln muss, der mit ner 5D oder 1D arbeitet. Klar, es wird immer Leute mit größeren Kameras geben, aber eine 5D3 mit L-Glas ist das Gerät, was man von einem Profi erwartet. Bitteschön. Trotzdem fand ich es für mich richtig, diesen Schritt (und diese nicht unerheblich Investition) erst Ende diesen Jahres gemacht zu haben. Man weiss es dann umso mehr zu schätzen.

Und 2015 so?

Natürlich stehen die Ziele für nächstes Jahr auch schon fest. Umsatzmäßig würde ich gerne noch mal 50% drauflegen. Konnte ich in 2014 vom Gewinn VOR Steuern von FAST leben, so würde ich kommendes Jahr doch auch gerne vom Gewinn NACH Steuern GUT leben können, sprich dasselbe Niveau erreichen, wie mein letztes Gehalt als Angestellter.

Aber auch inhaltlich gibt es Ziele. So möchte ich im kommenden Jahr die Anzahl der Aufträge nur moderat steigern, aber dafür gerne größere Jobs machen. Dazu habe ich schon diverse Ideen, die im kommenden Jahr in Form gegossen und umgesetzt werden sollen. Aber an die anvisierten Jobs kommt man nicht ran, in dem man einfach gegoogelt wird – hier wird mehr Akquise-Aufwand nötig sein. Aber da habe ich Lust zu. Wir werden sehen, inwieweit dieses Vorhaben von Erfolg gekrönt sein wird.

In diesem Sinne wünsche ich allen, einen guten Start in 2015 (gehabt zu haben). Vielleicht melde ich mich in einem Jahr wieder … ;-)

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