Servus miteinander!

Inzwischen ist es fast 5 Jahre her, dass ich hier den ersten Blogpost verfasst habe. Zwei Jahre lang habe ich mehr oder weniger regelmäßig die Updates rund um meine Verselbständigung gepostet (von Anfang 2012 bis Ende 2013). Und seitdem gab es jedes mal nach dem Jahreswechsel einen kurzen Rückblick – wobei ich doch immer überrascht war, wie viel dieser Blog immer noch gelesen wird. Natürlich haben viele Einträge nach wie vor Gültigkeit, und so waren es auch 2016 wieder über 1.000 Leser, die über 4.000 Artikel gelesen haben. – Ich bin baff und freue mich, dass ich mit diesem Blog doch anscheinend so vielen Leuten informativen Lesestoff bieten kann.

Zu Beginn hatte ich ja auch geschrieben, dass ich sowohl über über Highlights, aber auch über Tiefschläge berichten werde. – Eben das echte Leben und keine Glamourshow. Und das abgelaufene Jahr war bei mir leider eines, was sich auf der Umsatzseite arg dünne gemacht hat. Ich bin zum Glück in der Situation, dass meine Frau Ihren Job hat und wir auch keine Kinder ernähren müssen – insofern hat es für mich noch gereicht, aber noch so ein Jahr brauche ich auch nicht …

Die Umsatz-Situation

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Knapp 30% Rückgang gegenüber (einem wirklich guten) 2015 sind schon schmerzhaft, sowohl fürs Ego, als auch in der Brieftasche. Ich habe echt einige Tage gebraucht, das zu verdauen. Natürlich merkt man schon während des Jahres, dass es eng ist. Die Zahlen jedoch so vor sich zu haben, ist aber noch mal etwas anderes. Aber Weggucken hilft ja nix, sondern man muss Herausfinden, woran es gelegen hat. Also schauen wir mal in die Details.

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Im Jahresverlauf fallen vor allem die dramatischen Unterschiede in den Monaten April, Juli, Oktober und November auf. Hier werde ich noch einmal in meine Bücher schauen, welche Aufträge oder Kunden hier weggebrochen sind.

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Beim Vergleich der Segmente scheint einiges schon klarer. Der prozentuale Anteil des Bereichs „Sonstiges“ ist ähnlich geblieben, der Umsatz im Bereich „Event“ ist nicht allzuviel gesunken (etwa 15%), die mit Abstand größten Einbußen gab es im Bereich der Portraits. Hier sind es beinahe 40% weniger Umsatz als 2015. (Die Zahlen im Text beziehen sich auf die Balkenhöhe=Umsatzhöhe. Die Prozentwerte in der Grafik bezeichnen den Anteil am jeweiligen Jahresumsatz.) – An der Front gilt es also zu prüfen (waren es weniger Aufträge oder kleinere) und nachzulegen (Webseite aufhübschen, Marketing-Aktionen machen etc. pp.)

Eine weitere Station der Ursachen-Forschung (aber auch ganz normaler Teil meines Jahresrückblicks): die Webseiten-Performance.

Web-Analyse

Bei der Analyse meiner Google Statistiken fielen mir einige Ungereimtheiten auf. Zum Beispiel hatte ich im Februar 2015 meine neue Webseite gelauncht und in diesem Zusammenhang haben sich einige Werte dramatisch verändert. Beispielsweise hatte die alte Webseite eine Absprungrate von <1%, was quasi unmöglich ist. Die neue Seite lag bei sehr viel realistischeren (aber halt auch weniger schönen) 46%. Auch einige andere Werte wurden nicht sauber erfasst, was an einem WordPress Theme lag, bei dem ein paar technische Fehler zu diesen Fehlzählungen führten. Beim jetzt anstehenden Jahresvergleich muss das natürlich irgendwie egalisiert werden. Außerdem habe ich das erste mal Bekanntschaft mit Analytics-Spam, Ghost-Spam und Language-Spam gemacht (wer mehr darüber wissen möchte liest hier nach), kurz gesagt sind es Dinge, die Deine Statistiken verfälschen können. Hat mich einige Tage gekostet, das wieder glatt zu ziehen, aber nun ist’s gut.

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Etwa 1/4 mehr Sitzungen, 13,5% mehr Besucher und eine von 18,5% auf 24,5% gesteigerte Rate von wiederkehrenden Besuchern zeigten sich nach der Berienigung. Klingt erst mal ganz gut. Daran, dass ich nicht gefunden werde, liegt der Umsatzrückgang also wohl eher nicht. – Dabei hatte ich im Frühjahr festgestellt, das durch eine Umstellung der Suchergebnisseite von Google die organischen Ergebnisse erst nach Herunterscrollen zu sehen sind. Oben sind alles AdWords-Anzeigen oder die Locale-Einträge in Google Maps gelistet. Aus diesem Grund habe ich 2016 auch mit AdWords-Anzeigen angefangen. Ein Thema, bei ich mich auch erst mal mit ein paar Video-Tutorials schlau machen musste.

Ich habe erst einmal mit eher bescheidenem Budget geschaut, was so geht, so dass nur etwa 700 € von März bis Dezember an Google geflossen sind. Auf den ersten Blick unterm Jahr schien der Traffic insgesamt gleich zu bleiben. Man könnte also meinen, der Verlust an Besuchern durch die neue Suchergebnis-Darstellung wurde durch die Anzeigenschaltung ausgeglichen. Aber es war wieder etwas komplexer, als es zunächst schien.

Ein Teil des Traffics wurde 2015 von Crawlern und Bots verursacht, außerdem von Analytics-Spam – aber nicht von wirklich interessierten Kunden. Vergleicht man nur den Traffic auf den organischen Suchergebnissen, bereinigt um diese Beeinflussungen, so zeigt sich, dass diese Besucherrate 2016 sogar um 8% gestiegen ist. Die Besuche über die AdWords-Anzeigen haben letzten Endes andere Traffic-Verluste aus vernachlässigbaren Quellen kompensiert. – Das heisst aber noch einmal mehr, dass der Umsatzrückgang nicht an der mangelnden Findbarkeit gelegen haben kann. – Hier werde ich noch ein wenig mehr in den Details wühlen müssen, weiss aber auch, dass es darauf keine einfachen Antworten gibt (wie so oft im Leben). Ach ja – Ich habe übrigens reichlich Wiederholungs-Kunden, die mich immer wieder buchen. Der Faktor Kundenwegfall wegen Unzufriedenheit fällt also (zumindest ein stückweit) eher raus.

And now for something completely different …

Light Blue Software

Wie ich schon in einem früheren Blogbeitrag geschrieben hatte, nutze ich eine Softwarelösung aus England namens Light Blue. Anfangs nur partiell, weil ich noch nicht wusste, wohin die Reise geht, inzwischen immer mehr und umfassender. Zum Jahreswechsel habe ich dann den nächsten Schritt gemacht und erstelle nun auch alle Angebote und Rechnungen darüber. Die Software ist somit ein sehr zentraler Bestandteil meines Workflows und sie leistet mir dabei gute Dienste. Auch kann die sehr schnell gute Auswertungen erzeugen (zumindest, wenn die Daten entsprechend eingegeben wurden). Richtig spannend wird es in dieser Hinsicht Ende 2017, wenn ich dann die beiden letzten Jahre zahlenmäßig auf Knopfdruck vergleichen kann.

Nach wie vor also eine dicke Empfehlung für das Paket und vor allem den tollen Support, der schnell und kompetent ist, wenn doch mal was klemmt (meistens übrigens nicht in der Software, sondern beim Bediener ;-)

Systemwechsel zu Fuji

Das stand eigentlich so gar nicht auf dem Plan … Ich war mit meinem bisherigen System (Canon 5D MkIII und 7D MkII, diverse L-Zooms und zwei Festbrennweiten) eigentlich gut aufgestellt, als Quereinsteiger endlich im Vollformat-Olymp angekommen und eigentlich gab es kaum Grund zu hadern.

Als Ausgleich zum entschleunigten Fotografieren hatte ich mir im Sommer 2015 im Sonderangebot eine Fuji X-Pro1 mit einigen manuellen alten Zeiss-Objektiven zugelegt. Die habe ich privat und im Urlaub gerne genutzt – ich mag den Messsucher-Look und die Bildqualität war einfach Sahne. Aber aus vielen Gründen für mich nie ernsthaft kommerziell einzusetzen. Auch nicht, als ich ein modernes Fuji-Zoom draufgesetzt habe, weil ich das Schrauben leid war. Obwohl – da war sie schon das erste mal auf einem Job dabei, hat testweise ein paar Fotos gemacht, ist aber dann wieder in der Schublade verschwunden, weil der Autofokus doch arg langsam ist.

Aber dann habe ich einige Fotografen gesehen, die mit den Teilen wahre Wunder vollbringen. Und nicht nur das. Sie brachten mir damit ein Genre nahe, das ich bislang immer weit von mir gestoßen hatte: die Hochzeits-Fotografie. – Nun werde ich nie ein Pastell-Romantiker, wie viele in der Branche. Nein, schwarzweisse Reportagen, ungestellt, nicht nah dran, sondern mittendrin – das hat mich angefixt. Kevin Mullins heisst der gute Mann, der mich vor allem infiziert hat. Und kleine, unauffällige Kameras gehören da zum Konzept, zum unauffälligen nicht-gleich-entdeckt-werden. Eben genau das Gegenteil einer Vollformat-DSLR mit Batteriegriff, 70-200/2.8 und Blitz drauf. So kamen erst weitere Fuji-Linsen dazu (und das Glas ist SOOO geil!), dann eine X-E2 als Zweit-Kamera.

Inzwischen stehen hier zwei X-Pro2 Bodies mit 4 Festbrennweiten herum. Und obwohl eigentlich zunächst nur für Hochzeiten gedacht, sind die Fujis bei den meisten Jobs inzwischen mein Standard-Set. Die Teile machen einfach unglaublich Bock. Und geile Bilder. Die Zweit-Canon 7D2 ist inzwischen verkauft, das 24/1.4L auch, die 5D3 kommt noch immer mal zum Einsatz, aber eigentlich eher selten. Wird aber im Fundus bleiben.

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Das Foto ist noch ein Zwischenstand mit der X-Pro1 und einer X-E2 von meiner Frau.

Hochzeits-Fotografie

Ach ja – da war noch was. Tatsächlich habe ich mich entschlossen, das Feld der Hochzeitsfotografie mit in mein Angebot aufzunehmen. Getrennt von der Business-Schiene, aber die Fotos von Kevin und einigen anderen haben mir doch soviel Laune gemacht, dass es einfach sein musste. Die Entscheidung dafür hat übrigens nichts mit dem schlechten Jahresergebnis zu tun, sondern ist schon im Sommer gefallen. Aber trotzdem ist es sicher gut, in den Sommermonaten, wo die Firmen etwas kürzer treten, einen entsprechenden Ersatz zu haben.

Die Hochzeits-Fotografie werde ich übrigens zusammen mit meiner Frau betreiben, die mich als 2nd-Shooter und Assistentin bei den Paar-Shootings unterstützt. Sie hat auch noch Ihren normalen Bürojob, aber da ja überwiegend an Wochenenden groß geheiratet wird, passt das schon. Sie ist nicht so ein Technik-Nerd wie ich, hat aber ein gutes Auge, ein Gespür für den Moment und eine Kamera mit elektronischem Sucher, der das Ergebnis schon vor dem Abdrücken zeigen kann. Passt also.

Ich freu mich jedenfalls wahnsinnig drauf. Die erste Buchung für 2017 ist schon da, fürs das Start-Jahr wäre ich mit 5 Buchungen zufrieden, mit 10 happy. Wir sind aber natürlich mit dem hohen Schwarzweiss-Anteil bei den Fotos, der Art zu fotografieren und unserer Preisklasse jetzt auch nicht Mainstream – wir müssen also sehen, ob das so ankommt und ob wir das eventuell später ändern möchten.

Anyway …

Ich danke Euch erneut für das tapfere Durchhalten und Mitlesen bis hierher. Es gab aber auch einiges zu erzählen :)

Was auch immer Eure fotografischen und beruflichen Ziele für 2017 sind – ich drücke Euch fest die Daumen, dass ihr voran kommt. Und dran denken: Es ruckelt immer etwas, wenn das Leben in den nächsten Gang schaltet.

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