Schon so spät? – Ein Rückblick auf 2017

Wie konnte das denn passieren? Da hab ich doch zu Jahresbeginn gar keinen Rückblick auf die vergangenen zwölf Monate gepostet. Wer ist denn daran schuld? Nun, ich fürchte es ist der … Erfolg. Aber im einzelnen …

Die Frage, wie es denn dazu kommen konnte, da 2016 ja nicht gerade glänzte, ist berechtigt. Und streng genommen kann ich es auch nicht wirklich beantworten. Vieles an dieser Ursachenforschung ist lediglich das Lesen in der Kristallkugel.

Hier aber zunächst mal ein kurzes Chart (weniger flashy als früher, dafür auf Knopfdruck aus meinem Lieblingstool „Lightblue„). Umsatzkurven 2016 und 2017 im Vergleich:

Umsatz-2016-2017

Ein Punkt, auf den ich den gestiegenen Erfolg zurückführe, ist sicherlich die bessere gewordene gesamte Wirtschaftslage. Schließlich werde ich viel von Unternehmen beauftragt, die bei eigenem Erfolg auch freigiebiger mit Budgets sind. 

Der andere Erfolgsfaktor kam wahrscheinlich eher zufällig zustande. Mit meiner Webseite, wie sie seit Anfang 2015 existierte, war ich eigentlich sehr zufrieden und wollte zum Jahresbeginn 2017 lediglich wieder einiges ein Bildmaterial aktualisieren. Das Interview eines von mir sehr geschätzten Fotografen (Andreas Chudowski) hatte allerdings eine neue Idee in meinem Hirn gepflanzt. 

Während viele Fotografen (vor allem künstlerisch angehauchte) gerne die These vertreten, dass ein großes Bild auf der Startseite den Betrachter verführen soll, hat Andreas eine andere Zielgruppe, nämlich Bild-Redakteure von Zeitungen. Diese sollten möglichst auf einen Blick sein Angebot sehen und beurteilen können. Professionelle Bildeinkäufer wollen nicht verführt werden sondern sehen, was Sache ist. Daher nutzt er eine Mosaik-Galerie auf der Startseite, die einen guten Überblick über sein Portfolio gibt.

Bei meinen Kunden vermute ich ähnliches. Meist heißt es entweder von der Geschäftsleitung oder vom Marketing: wir brauchen neue Portraits. Suchen Sie doch mal einen Fotografen. So habe ich (tatsächlich eher als Spielerei) nach einem Word Press-Theme gesucht, dass ein entsprechendes Design hatte, und an einem freien Samstag eine Testseite zusammengeschraubt. Diese Seite gefiel mir dann spontan so gut, dass ich am Sonntag meine richtige Webseite auf das neue Design umgestellt und live geschaltet habe. 

Bildschirmfoto

Ich habe dadurch zwar keinen höheren Traffic auf meiner Seite bekommen, aber anscheinend haben sich mehr höherwertige Kunden davon angesprochen gefühlt und bei mir gemeldet. 

Das Ergebnis war eine satte Umsatzverdoppelung in 2017 gegenüber 2016, so dass ich nicht nur den kleinen Verlust aus dem Vorjahr ausgleichen konnte, sondern sogar mit einem kleinen Puffer ins neue Jahr starten konnte. Hier mal der Vergleich auf Monatsbasis:

2017-per-month

Hier sieht man einige ziemliche Ausreisser – nicht alle davon sind allerdings der Fotografie geschuldet. Hier kamen tatsächlich auch noch 2 größere Umsätze aus Beratungsaufträgen von meinem früheren Job dazu. Aber natürlich auch einige Buchungen aus dem neuen „Geschäftsbereich Wedding“, auf dem ich im Folgendem kurz eingehen möchte.


Ein weiteres spannendes Kapitel in 2017 war die Hochzeitsfotografie, die ich zusammen mit meiner Frau gestartet habe. Als kleines Zweit-Business wollten wir in diesem Jahr zunächst einmal probieren, ob sich unser Konzept bewährt – und auch ob wir gut miteinander arbeiten können. Wir haben vier Hochzeiten begleitet, und die Zusammenarbeit hat wirklich reibungslos funktioniert. Meine Frau war zunächst noch etwas skeptisch, ob sie denn gut genug fotografieren kann. Daher sind wir zunächst mit dem Plan losgegangen, dass ich die gesamte Hochzeit fotografisch abdecke und die Fotos von ihr, die gut geworden sind, packen wir dann noch obendrauf.

Tatsächlich hat sie aber ein so gutes Auge für Bildkomposition und ein so gutes Gespür für den richtigen Moment, das es letztenendes nur Sorgen um die Technik waren. Und da auch sie mit den von mir so geliebten Fuji-Kameras arbeitet, war der technische Teil beim Fotografieren ziemlich unkompliziert. Schlussendlich sind etwa knapp 40 % der Fotos, die wir an die Paare ausgeliefert haben, aus ihren Kameras gekommen. Und auch die Zusammenarbeit macht großen Spaß. So etwa sieht das aus …

Die Zusammenarbeit war sogar so gut, dass wir uns überlegt haben, zukünftig noch mehr zusammen zu machen. Da meine Frau als Assistentin des CEO in der Finanzbranche einen Job mit reichlich Stress hatte, aber keine gesteigerte Lust, das ewig weiter zu machen, entstand der Plan, sie ab 2018 halbtags bei mir als Assistenz anzustellen (sowohl im Büro, als auch auf Shootings). Es ergab sich die Möglichkeit, dass sie innerhalb ihres Unternehmens in eine andere Abteilung wechseln und auf 50 % = 20 Stunden reduzieren konnte, was natürlich perfekt gepasst hat. Da die Finanzbranche auch recht gut bezahlt, kam ich mit einem überschaubaren Gehaltsangebot zum Zuge. Als freier Fotograf kann man es gehaltsmäßig nun mal nicht mit Bankfurt aufnehmen. Aber in Summe stimmt es so wieder. – Zum 1.1.18 wurde aus der geringfügigen Beschäftigung nun ein Anstellungsverhältnis in Teilzeit.

Neben der Tatsache, dass so ein Schritt auch auf Beziehungsebene wohl überlegt sein will (viele Leute aus unserem Umfeld bescheinigten uns, nicht mit ihrem Partner zusammenarbeiten zu wollen) bringt das ja auch einige logistische Aufgaben mit sich. Hier zeigte sich wieder einmal, wie gut es ist, einen guten Steuerberater zu haben. Der kümmert sich nämlich nicht nur um die Buchhaltung, sondern auch um die Lohnabrechnung sowie die Kommunikation mit den entsprechenden Stellen für die Sozialabgaben. Hier geht es nämlich auch die ein oder andere Sache zu beachten. Außerdem war es wichtig zu wissen, dass ich als Mitglied der Künstlersozialkasse immerhin eine fest angestellte Teil- oder Vollzeitkraft im Unternehmen haben darf, ohne die Mitgliedschaft zu verlieren. Immerhin trägt die KSK einen Teil meiner eigenen Sozialversicherungskosten. 

2018 begann daher auch erst mal mit einer kleinen Umbauaktion des kleinsten Großraumbüros in Hessen. Zu unserer eigenen Verwunderung sitzen wir jetzt zu zweit hier und gehen uns auch nach mehreren Monaten der Zusammenarbeit immer noch nicht auf die Nerven :)

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Noch ein paar Worte zu meinem Pricing. Bei meinen Portraits habe ich im letzten Jahr meine Abrechnungsmodalitäten etwas geändert. Bislang hatte ich für das Fotoshooting, aber auch für meine Bearbeitungszeit nach Stundensatz abgerechnet. Ich habe zwar dabei immer schon eine feste Anzahl an Bildern pro Person einkalkuliert, es war aber immer wieder schwierig, wenn jemand mehr oder weniger als die angebotene Bildanzahl haben wollte. Nun rechne ich mein Honorar für die Zeit vor Ort nach viertel, halben oder ganzen Tagessätzen ab und die Bilder lasse ich mir pro Stück bezahlen. Ich kalkuliere eine gewisse Mindestanzahl (bei größeren Shootings ein Bild pro fotografierter Personen) und wenn der Kunde mehr Bilder haben möchte, kostet es halt den ausgewiesenen Preis je Bild zusätzlich. Das ist nicht nur für den Kunden nachvollziehbarer, sondern hat sich bei mir auch in höheren Umsätzen bemerkbar gemacht.

Zum Abschluss noch etwas Technik. Auch wenn ich das Spiegelreflex-Equipment noch eine ganze Weile behalten habe (sicher ist sicher) ist dann doch vor einigen Monaten alles verkauft worden. Ich nutze dazu Dienste wie Rebuy oder wirkaufens, weil ich da ohne Gewährleistung geben zu müssen alles loswerden kann – wenn auch vielleicht zu einem geringeren Preis, als wenn ich wochenlang über Kleinanzeigen und persönliche Verhandlungen gehen müsste. Ich habe die Canon 5D Mk3 letzten Endes nur noch im Studio verwendet, und das auch nur, weil sie dort eh schon aufgebaut war. Ich arbeite bei allen Jobs nur noch mit meinen Fuji X-Pro2 und die Sorge, dass mich irgendjemand ob der „kleinen“ Kameras nicht für voll nimmt, war ohnehin unberechtigt. Der Verkaufserlös der Canon-Ausrüstung ist in eine kaufmännisch höchst sinnfreie, dafür aber emotional sehr befriedigende Leica Q geflossen …

Mal schauen, wie dieses Jahr so endet …

Wir lesen uns!

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